SPAREN UNMÖGLICH – Schlechte finanzielle Gewohnheiten und was man gegen sie tun kann

Es gibt Situationen, in denen man einfach sparen muss, weil zum Beispiel das Geld auf Grund vorübergehend höherer Ausgaben knapp ist,  weil man sich etwas bestimmtes leisten will, oder weil man einfach ein beruhigendes Polster auf dem Konto haben möchte. Doch dem Wunsch stehen oftmals einige Gewohnheiten gegenüber, die die Erreichung dieses Ziels sabotieren.

Wenn das Einkommen regelmäßig am Ende des Monats oder bereits vorher komplett aufgebraucht ist, und man gar nichts übrig hat zum Sparen, dann liegt das an schlechten finanziellen Gewohnheiten. 

Heute möchte ich ihnen die größten Saboteure vorstellen, die dafür sorgen, dass man es nicht schafft, mit seinem Einkommen auszukommen. 

Schlechte finanzielle Gewohnheiten und was man gegen sie tun kann

Verdrängen der Tatsachen

Manchmal möchte man seinen Kontostand lieber gar nicht sehen. Das ist zuweilen durchaus verständlich aber diese Strategie birgt leider ein großes Potenzial für Ärger. Die Tatsachen zu verdrängen, führt nur dazu, dass die Probleme sich immer weiter auftürmen und sich natürlich keineswegs von selbst erledigen. 

Wenn sie zu denjenigen gehören, die es bislang vermeiden, sich ihren Kontostand anzuschauen, dann sollten sie ab sofort radikal umdenken. Gehen sie den ersten Schritt nach vorn und konfrontieren sie sich mit der Realität und dann tun sie das jeden Tag.  Ja, ich meine das ernst. Laden sie sich die Banking-App ihres Kreditinstituts aufs Smartphone und schauen sie ab sofort täglich auf ihr Konto. Auf diese Weise wird ihnen sofort auffallen, wenn sie zu viel Geld ausgeben bzw. werden sie täglich daran erinnert, dies nicht zu tun. Es geht dabei darum, ein Bewusstsein für ihre Finanzen zu entwickeln und dies ist der erste Schritt in die richtige Richtung. 

Fehlender Überblick

Nicht zu wissen, wohin das Geld Monat für Monat verschwindet, ist nicht nur überaus frustrierend, es führt auch dazu, dass wir uns machtlos fühlen und glauben, wir hätten keinen Einfluss auf den ewigen Kreislauf aus Arbeit, Lohn und Geldsorgen.

Doch natürlich haben wir Einfluss darauf und noch viel mehr. Wir haben die Verantwortung für unsere Finanzen – niemand sonst. Indem sie sich einen Überblick darüber verschaffen, wen und für was sie monatlich bezahlen, übernehmen sie die Verantwortung und können ihren Einfluss ausüben.

Einen Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben verschaffen sie sich am besten mit einer entsprechenden Aufstellung. Wie sie diese Rechnung am besten anstellen, habe ich vor einiger Zeit bereits im Rahmen der Reihe „Finanzen im Griff“ beschrieben. Hier können sie es nachlesen und sich sogar Vorlagen für ihre Rechnung herunterladen.

Bequemlichkeit

Auch die Bequemlichkeit ist eine Gewohnheit, die sich schlecht auf ihre Finanzen auswirken kann. Nämlich genau dann, wenn sie sich zum Beispiel nicht dazu aufraffen können, sich einen Überblick über ihre Finanzen zu verschaffen und auch nicht dazu, sich mit dem Optimierungspotenzial zu befassen, welches sie dabei vielleicht aufdecken. 

Ich meine damit den alten Telefon- oder Handyvertrag, der längst nicht mehr ihre Bedürfnisse erfüllt und mittlerweile von viel günstigeren Vertragsmodellen abgelöst wurde. Auch eine zu teure KfZ-Versicherung, der teure Stromtarif oder überflüssige Abonnements gehören zu den Posten mit Optimierungspotenzial.

Solche Altlasten kosten sie Geld, das sie besser für die Abtragung eines Kredits oder für ihren Notgroschen nutzen könnten. Es gilt also, die Bequemlichkeit zu überwinden und sich mit ihren Verträgen zu beschäftigen. Das dauert oft gar nicht so lange, wie man es befürchtet und ist meist mit einem Kündigungs-Brief oder einer E-Mail getan. 
Die Suche nach neuen, günstigeren Alternativen macht dann sogar Spaß, weil man direkt ausrechnen kann, wieviel Geld man ab dem Zeitpunkt des Vertragsendes und des Neubeginns spart. 

Lifestyle-Inflation

Die Freude ist groß, wenn man eine Gehaltserhöhung bekommt oder regelmäßige zusätzliche Einnahmen generieren konnte – z.B. durch eine Nebentätigkeit. Leider verleitet dieser vermeintliche Geldsegen viele Menschen dazu, ihren Lebensstil entsprechend anzupassen. 

Dann wird doch das schicke Auto oder die neue Küche auf Finanzierung gekauft – die Raten kann man sich ja nun locker leisten oder vielleicht liebäugelt man schon lange mit einer größeren Wohnung oder sogar einem Haus. Es ist aber auch so einfach, das Geld für mehr Konsum auszugeben. Kann man sich ja nun leisten, oder?

Leider ist das eine Falle, in die schon viele Gutverdiener getappt sind. Die Gefahr bei der Lifestyle-Inflation ist, dass man seine fixen Kosten durch Miete, Kreditraten, teure Abonnements oder den großzügigen Einsatz von Kreditkarten derart hochschraubt, dass zum Leben gerade noch das Nötigste übrig bleibt und zum Sparen rein gar nichts. So können auch Gutverdiener, von denen man es eigentlich nicht erwartet ganz schnell in die Schuldenspirale geraten.

Aus diesem Grund sollte man sich davor hüten, mit eine Gehaltserhöhung oder zusätzlichem Einkommen direkt mal seinen Lebensstandard (vermeintlich) zu erhöhen. Seien sie schlau und überlegen sich genau, wie sie das zusätzliche Einkommen einsetzen möchten. Empfehlenswert wäre, es zuerst für die Tilgung eventueller Kredite oder sonstiger Verbindlichkeiten zu nutzen. Wenn sie die nicht haben, dann überweisen sie es monatlich auf ein Sparkonto oder teilen es zumindest auf und nutzen eine Hälfte davon zum Sparen und die andere für das was sie sonst noch im Sinn haben.

Auf den Rest hoffen

Kennen sie diese Aussage: „Ich habe einfach nichts übrig, um zu sparen. Das Konto ist am Monatsende immer leer.“? 

Viele nehmen sich vor, das, was am Monatsende übrig bleibt, aufs Sparkonto zu überweisen oder einfach auf dem Girokonto zu belassen, um sich ein Polster anzusparen. Das funktioniert so gut wie nie. Jeder Finanzexperte wird ihnen das zuerst sagen: „Bezahlen sie sich selbst zuerst.“

Im Klartext heißt das, Sparen sie am Anfang des Monats – genau dann, wenn sie ihr Gehalt oder ihren Lohn bekommen und nicht erst am Ende, wenn sie ihr Geld schon an den Vermieter, die Stadtwerke, den Kindergarten, das Kreditinstitut und den Einzelhandel verteilt haben. Sie kommen zuerst dran, noch vor allen anderen, denn es ist schließlich ihr Geld. 

Also legen sie die Gewohnheit ab, auf das Monatsende und den kläglichen Rest des Geldes zu warten, sondern überweisen sie ab sofort einen festen Betrag direkt bei Gehaltseingang auf ihr Sparkonto. 

Nicht warten können

Am liebsten möchte man das Objekt seiner Begierde doch sofort haben. Wenn man der Typ ist, der sich nicht so leicht von einer Sache beeindrucken lässt, kommt das wahrscheinlich seltener vor aber für leicht zu begeisternde Menschen kann die schöne Jacke, das tolle E-Bike oder die neue Weihnachtsdeko im Angebot durchaus zum Problem werden. 

Impuls- und Spontankäufe sind nämlich leider eine weitere schlechte finanzielle Gewohnheit. 

Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die sich schnell für eine Sache begeistern können, insofern habe ich viel Erfahrung mit Impuls- und Spontankäufen und auch damit, diese zu vermeiden. Zuerst kommt die Geduld. Ja, man muss lernen, auch mal auf etwas, das man haben möchte, warten zu können. 

Als Kind mussten wir das ständig tun. Also in der Zeit als ich Kind war, war es jedenfalls nicht üblich, sofort alles zu kaufen, was der Sprössling verlangt hat. Man wurde dann immer auf Nikolaus, Weihnachten, Ostern oder den Geburtstag vertröstet. Das war ziemlich frustrierend aber wenn es dann soweit war und das Objekt der Begierde (das man in der Zwischenzeit schon wieder vergessen hatte) tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum stand, war die Freude riesig. 

Mein Tipp ist also: Werden sie wieder zum Kind und schreiben sie sich einen Wunschzettel. Heben sie sich ihre Wünsche auf und lassen sie sich beschenken, wenn die Zeit gekommen ist. 

Ich mache das inzwischen seit Jahren so mit den Dingen, die ich eigentlich nicht dringend brauche aber eben trotzdem gerne hätte. Und jedes Jahr vor Weihnachten oder meinem Geburtstag schicke ich meine Wunschliste an alle, die fragen, was sie mir schenken sollen. 

Eine weitere Strategie, die ich mir zu Eigen gemacht habe, betrifft das Kaufen von Kleidung und Schuhen. Ich bin wahrlich kein Shopaholic, der jedem neuen Trend hinterher läuft und ständig seinen Kleiderschrank neu gestalten will. Aber regelmäßig vor den Saisonwechseln im Frühjahr und im Herbst (und auch vor anstehenden Urlauben) überkommt nicht das Gefühl, nicht genügend Pullis, Hosen oder Schuhe für die kommende Jahreszeit zu haben. 

Dann sitze ich stundenlang am Rechner und suche auf diversen Online-Plattformen nach schicken Klamotten oder Schuhen. Das macht mir wirklich Spaß. Doch bevor ich sie tatsächlich bestelle, lege ich eine Pause ein. Wenn alles im Warenkorb ist, mache ich den Rechner aus und begebe mich zu meinem Kleider- oder Schuhschrank und schaue mir genau an, welche Dinge ich habe. Und ganz ehrlich – diese Strategie hat mich schon so oft davor bewahrt, mir die 10. Jeans oder das 12. Oberteil in der Art zu kaufen, die ich eigentlich zu Genüge im Schrank habe. 

Die Strategie lässt sich auch auf andere Konsumgüter übertragen. Bevor sie etwas bestellen oder kaufen, schauen sie sich an, was sie wirklich daheim haben und werden sie sich darüber klar, wieviel sie eigentlich bereits besitzen.

Wenn etwas defekt, unbrauchbar oder unansehnlich geworden ist, muss man es natürlich ersetzen – nur nicht dann, wenn man noch weitere Exemplare davon im Schrank hat. 

Das Geld nicht einteilen

Wenn man keinen Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben hat, wird man sich sicher auch noch keine Gedanken darüber gemacht haben, wie man das zur Verfügung stehende Einkommen eigentlich am besten einteilt. 

Doch jetzt, wo sie wissen, dass sie eine Einnahmen-Ausgaben-Aufstellung machen können und dadurch sehen, wohin ihr Geld fließt, sollten sie auch noch einen Schritt weiter gehen. Teilen sie das Geld, was ihnen nach Abzug der Fixkosten monatlich zur Verfügung steht in Kategorien auf. Das nennt man auch Budgetieren.

Wenn sie sich jetzt fragen, wozu das gut sein soll, dann ist die Antwort: Kontrolle! Das Budgetieren ermöglicht es ihnen, ihre Ausgaben und auch ihr Kaufverhalten besser zu kontrollieren. Außerdem lernen sie sich und ihren Bedarf dadurch erst einmal richtig kennen. Ein weiterer Vorteil, des Budgetierens ist Freiheit. Das mag jetzt seltsam klingen, schließlich ist ein Budget nichts anderes als ein Limit, dass sie sich setzen aber man kann diese Limits auch sehr gut dafür nutzen, sich finanziellen Spielraum zu schaffen.

Wie man budgetiert, können sie in einem meiner früheren Artikel aus der Reihe „Finanzen im Griff“ nachlesen und sich auch gleich die Vorlagen dafür herunterladen:

Was die Freiheit betrifft, die einem das Budgetieren bringt, hier ein Beispiel:

Ich habe da so ein paar Leidenschaften, für die ich immer wieder Geld ausgebe. Zeitweise war das ziemlich viel. Ich wusste durchaus, dass es unvernünftig ist, soviel Geld dafür auszugeben, weil mir dann für die wirklich wichtigen Dinge nicht genügend blieb. Dass ich die Ausgaben auf ein vernünftiges Maß regulieren musste, war somit klar. 

Ich habe mir also für meine Leidenschaften monatlich ein gewisses Budget zugestanden. Ich musste mich dadurch zwar in meinem Konsumverhalten einschränken, aber ich war nicht gezwungen es komplett aufzugeben. 

Das Budget führte dazu, dass ich mir viel genauer überlegt habe, ob ich etwas wirklich haben muss oder ob ich lieber auf etwas Schöneres oder Besseres warte. Wenn ich mir es dann gekauft habe, war ich wirklich glücklich und musste keinerlei schlechtes Gewissen haben, denn ich wusste ja, dass es in meiner Planung berücksichtig war und ich durch meinen Kauf nicht an etwas anderem sparen musste.

Probieren sie es mal aus und lassen sie sich nicht abschrecken, wenn es mal nicht funktioniert. Budgets können durchaus variabel sein. Beobachten sie sich und ihr Konsumverhalten und passen sie ihre Budgets immer wieder an. Es liegt in ihren eigenen Händen.

Zum Schluss

Schlechte finanzielle Gewohnheiten hat so gut wie jeder von uns. Leider lernen wir nicht in der Schule, wie man mit Geld umgeht, sondern eher von unseren Eltern – die es ja auch nicht in der Schule gelernt haben. Sie verstehen vielleicht, worauf ich hinaus will. 

Aber wir haben es als Erwachsene selbst in der Hand, unser Verhalten kritisch zu betrachten und etwas daran zu ändern, wenn es notwendig ist. Niemand muss sich für die Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, schämen. Wichtig ist es, sich weiterzuentwickeln und die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. 

In diesem Sinne wünsche ich ihnen jetzt viel Spaß bei der Erforschung ihrer eigenen Verhaltensweisen und bei der Weiterentwicklung.

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