Sich selbst etwas Gutes tun – „Selfcare“ richtig verstehen

Zu einem stressfreien Leben gehört es auch, sich um sich selbst zu kümmern. Jeder kennt wahrscheinlich das Gefühl, wenn man nach einem anstrengenden Arbeitstag heim kommt und sich einfach nur etwas Gutes tun möchte. 
Und das tut man dann auch – zumindest glaubt man das, wenn man auf dem Sofa liegt, vier Folgen der zweiten Staffel von „Irgendwas“ schaut und sich auf die bestellte Pizza freut. 
Alternativ könnte man auch in der Badewanne liegen, eine halbe Flasche Wein oder Sekt trinken, danach noch ein Eis futtern und selbstverständlich die neuesten Folgen von „Was auch immer“ auf „Wo auch immer“ schauen. 
Die Zeit verfliegt und schon ruft das Bett. Schnell noch Zähne putzen und rein in die Federn. Was für ein anstrengender Tag, denkt man sich noch, Morgen muss ich endlich mal bei Tante Gerda anrufen. Sie braucht meine Hilfe im Garten aber ich habe ja nie Zeit. Ich muss mich auch mal um mich selbst kümmern. Gute Nacht.

Der Begriff „Selfcare“ taucht in der heutigen Zeit immer öfter auf. Das Bewusstsein für die eigenen, persönlichen Bedürfnisse ist viel ausgeprägter als früher. Wir streben nach der idealen Work-Life-Balance die es uns ermöglicht, uns in unserer Freizeit selbst zu verwirklichen, das Familienleben zu genießen oder die Welt zu bereisen und gleichzeitig einer geregelten und gut bezahlten Arbeit nachzugehen. 

Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit 1994 noch bei 40,9 Stunden (Vollzeit) lag und sich seitdem um 6,3 Stunden reduziert hat(1), könnte man annehmen, dass es für die Work-Life-Balance ganz gut aussieht. 
Davon abgesehen hat sich nicht nur die Arbeitszeit reduziert, auch die Arbeitsbedingungen haben sich wesentlich verbessert. Es gibt Vorschriften darüber, wie warm oder kalt es am Arbeitsplatz sein darf, wie ergonomisch dieser gestaltet sein muss, wie viele Überstunden geleistet werden dürfen, wie diese ausgeglichen werden müssen, wie viele Wochenenden man frei haben muss usw. 
In Deutschland haben Arbeitnehmer*innen durchschnittlich 30 Tage Urlaub im Jahr (dies ist nicht der gesetzliche Urlaubsanspruch, dieser liegt in Deutschland bei 24 Tagen). Hinzu kommen ca. 10 Feiertage (je nach Bundesland). Das entspricht 8 Wochen bezahlter Freizeit im Jahr – neben den Wochenenden. 

Warum haben wir dennoch oft das Gefühl, nicht genug Zeit für uns zu haben?

Ich wage die Behauptung, dass es meistens gar nicht an der Quantität – also der Menge der Freizeit, die uns zur Verfügung steht – liegt, sondern an der Qualität – der Art wie wir diese Zeit nutzen. 

Ein Abend auf dem Sofa erscheint uns erholsam, weil wir ja nichts tun müssen außer herumzuliegen und passiv Unterhaltung zu konsumieren. Doch ist das wirklich erholsam? Tun wir unserem Geist und unserem Körper etwas Gutes damit? Ist das Selfcare oder ein geeigneter Ausgleich zum Arbeitsalltag?

Definitiv; NEIN!

Sich selbst, seinem Körper und seinem Geist etwas Gutes zu tun, wird häufig falsch verstanden. Passiv sein, sich gehen lassen oder auch rumhängen und chillen, sind kein adäquater Ausgleich für einen anstrengenden Arbeitstag.
Gerade bei Stress und innerer Anspannung ist Aktivität in Form von moderatem Sport, einem Spaziergang an der frischen Luft oder einer ausgedehnten Yogaeinheit die bessere Wahl. Die Bewegung hilft unserem Körper und auch dem Geist, die Spannungen wieder abzubauen. 
Auch die Planung und Zubereitung einer gesunden Mahlzeit hilft dabei, Abstand vom Arbeitsalltag zu gewinnen und lenkt unser Bewusstsein in Richtung Genuss und Wohlbefinden. Die Vorfreude auf ein köstliches und gesundes Mahl stimuliert das Belohnungszentrum unseres Gehirns und wir fühlen uns gut. 

Es lohnt sich, einmal genauer zu prüfen, wie man sich nach einem anstrengenden Arbeitstag eigentlich verhält. Das Gewohnheitstier in uns schreit wahrscheinlich danach, einfach alles erstmal in eine Ecke zu pfeffern, wenn man heimkommt und sich aufs Sofa fallen zu lassen. Dann rafft man sich vielleicht nach einer halben Stunde auf und räumt ein bisschen auf, macht schnell was zu Essen und bereitet alles für den Fernsehabend vor. Zwischendurch muss man vielleicht noch Hausaufgaben kontrollieren, Trösten, Schlichten und so vieles mehr. Wenn schließlich Ruhe im Haus eingekehrt ist, lässt man sich nur zu gern vom Flimmern des Fernsehers in den Schlaf rieseln. 

Wenn Ihr Feierabend so oder ähnlich aussieht und Sie das Gefühl haben, Ihnen bleibt nichts vom Tag, Sie können einfach nicht abschalten und brauchen endlich mal mehr Zeit für sich, dann nehmen Sie die Herausforderung an und machen es ab sofort anders. Kümmern Sie sich um sich selbst – aber richtig:

  • bewegen Sie sich, machen Sie z.B. einen Spaziergang
  • lesen (oder hören) Sie ein gutes Buch
  • bilden Sie sich weiter
  • widmen Sie sich einem kreativen Hobby
  • schreiben Sie Tagebuch oder 
  • schreiben Sie auf, was Ihnen gerade einfällt oder was Sie bewegt
  • meditieren Sie
  • machen Sie Yoga, Stretching oder probieren Entspannungstechniken aus

Sie können dieser Liste alles hinzufügen, was einen dauerhaften Mehrwert für Ihren Körper oder Geist bietet. Es geht dabei nicht um solche Dinge wie: in die Sauna gehen, ein Bad nehmen und schön Eincremen, eine Wellnessmassage, ein Plausch mit der Freundin oder dem Freund….

Diese sind natürlich angenehm und auch entspannend, haben aber nur einen kurzfristigen Effekt. Solche Dinge sind gut und wichtig aber sie sind nicht als alleiniges, tägliches Selfcare-Ritual geeignet. 

Selfcare heißt, sich selbst wertzuschätzen und deshalb seine freie Zeit für Dinge zu nutzen, die sowohl für den Körper als auch für den Geist, einen Mehrwert bedeuten. 

CHECK it!

(1) Quelle: statistisches Bundesamt

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