Operation stressfrei leben: Vom Guten ausgehen, statt das Negative zu erwarten

„Den Job bekomme ich sowie so nicht, bei dieser Konkurrenz.“
„Diese Prüfung werde ich niemals bestehen.“
„Das Familientreffen am nächsten Wochenende nervt mich jetzt schon.“
„Ich sage lieber nicht meine Meinung zu dem Thema, die anderen wissen mehr darüber. Ich will mich nicht lächerlich machen.“
„Ich werde es nie schaffen, mehr zu verdienen. In unserer Familie hat es noch keiner geschafft, wohlhabend zu werden.“
„Oh je, ein Anruf vom Chef. Der hat bestimmt etwas auszusetzen an meiner Präsentation.“

Diese und noch viel mehr solcher Sätze verdeutlichen genau eines – eine grundlegende negative Erwartungshaltung. 

Es gibt Menschen, die gehen immer vom Schlimmsten aus, denken nur an die Gefahren und Risiken, die das Leben birgt, erwarten stets das Scheitern, Ablehnung oder Zurückweisung. Eine solche, permanent negative, Erwartungshaltung macht auf Dauer nicht nur unglücklich, sie verursacht auch Stress, weil man immer darum bemüht ist und alles Mögliche versucht, den schlimmsten Fall zu vermeiden. 

Wenn man eine grundlegend pessimistische Lebenseinstellung hat, ist es schwer, diese zu ändern. Doch die meisten Menschen sind nicht grundsätzlich und in jeder Hinsicht pessimistisch eingestellt, sondern sie sind es in bestimmten Bereichen, in denen sie besonders oft oder besonders einprägsame negative Erfahrungen gemacht haben. 

Fast jeder kennt das. Die einen fühlen sich in ihrem Job unwohl und haben deswegen eine negative Erwartungshaltung aufgebaut – oder ist es vielleicht anders herum? 
Andere wiederum kommen mit ihrer Schwiegermutter oder anderen Verwandten nicht klar und erwarten deswegen bei jedem Familientreffen Ärger. 

Oder es wird davon ausgegangen, dass man sowieso keinen Erfolg mit seiner Idee hat und lässt es lieber bleiben – spart sich die ganze Arbeit und die Enttäuschung am Ende. 

Auch solche, auf bestimmte Lebensbereiche begrenzten, negativen Erwartungen sind schlecht für unser Wohlbefinden, verursachen Stress, Streit und Sorgen und sie führen schließlich oft sogar dazu, dass das Ereignis in er erwarteten Form auch eintritt. Das nennt man auch: 

Selbsterfüllende Prophezeiung

Bereits in den 1960er Jahren beobachteten die amerikanischen Psychologen Robert Rosenthal und Lenore Jacobson dieses Phänomen bei einer Studie an Grundschulen. 

Sie wählten zufällig einige Schüler aus und erzählten den Lehrern, dass diese besonders begabt wären und in der nächsten Zeit ihre Leistungen erheblich steigern würden. 

Nach einem Jahr stellte sich bei Tests heraus, dass genau diese Schüler ihre Leistungen tatsächlich viel stärker steigern konnten als eine Kontrollgruppe. 

Der Grund dafür, war die Erwartung der Lehrer (in diesem Fall war es eine positive Erwartungshaltung). Die Erwartungshaltung der Lehrer führte bei diesen zu einer unbewussten Verhaltensänderung. Sie steigerten nicht nur die Anforderungen an die betreffenden Schüler, sondern nutzten ihnen gegenüber häufiger Lob und Tadel, was wiederum die Schüler zu mehr Leistung anspornte. 

Eine Studie des British Medical Journey zeigte, dass Senioren, die große Angst davor hatten, zu stürzen, tatsächlich häufiger stürzten als Altersgenoss/inn/en, die weniger Angst hatten.

Auch der sogenannte Placebo-Effekt, bei dem der Glaube an die Wirksamkeit eines Medikaments bereits zur Verbesserung des Gesundheitszustandes führt, auch wenn man ein unwirksames Präparat einnimmt, ist ein Beispiel für selbsterfüllende Prophezeiungen. 

Fakt ist, unsere Erwartungshaltung bestimmt unter anderem, wie wir uns selbst und unser Leben wahrnehmen. Unsere Wahrnehmung beeinflusst unser Verhalten und damit auch unsere Entscheidungen. 
Erwarten wir also immer etwas schlechtes, nehmen wir verstärkt negative Ereignisse wahr bzw. bewerten Ereignisse eher negativ. Das führt dazu, dass wir uns schlecht fühlen und dementsprechend verhalten oder schlechte Entscheidungen treffen. Und das wiederum hat oft zur Folge, dass das befürchtete Ereignis – der schlimmste Fall – auch eintritt. 

Was kann man also tun, um sich von solchen Erwartungen zu befreien? Es ist eigentlich ganz einfach. Man muss:

vom Guten ausgehen

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Aber man kann durchaus beschließen, dass es ab sofort das Motto des eignen Lebens sein soll.

Am Anfang steht aber (wie immer) zunächst die Erkenntnis. Das heißt, man muss seine eigene Einstellung bewusst wahrnehmen und erkennen, in welchen Lebensbereichen oder Situationen man eher pessimistisch denkt. 

Es macht Sinn zu überlegen, woher diese negativen Erwartungen kommen. Rufen sie sich die auslösenden Ereignisse und Erlebnisse in Erinnerung und lassen sie sie Revue passieren. Prüfen sie, wie genau sie sich dabei fühlten und überlegen sie, ob wirklich auch alles so passiert ist, wie sie es erinnern oder ob es vielleicht an ihrer Interpretation der Ereignisse liegen könnte, dass sie sie als derart negativ empfinden. 

Und wenn doch alles so schlimm war, wie sie sich erinnern, dann setzen sie sofort einen Schlussstrich darunter. Das ganze ist der Vergangenheit passiert und dort soll es auch bleiben. 

Denken sie daran, dass die Erwartungshaltung auf unserer Sicht der Dinge beruht und nicht auf Fakten. Und unsere Sichtweise können wir ändern. Dazu haben wir jederzeit die Macht. 

Machen sie sich bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns, der Ablehnung oder des schlimmsten Falles mindestens genauso hoch ist, wie die des Erfolgs, der Zustimmung oder des besten Falles. Warum sollte man seine Erwartung also auf das Negative fokussieren, wenn das Positive doch genauso wahrscheinlich ist? 

Viele Pessimisten argumentieren dann: „Wenn ich das schlechteste erwarte, kann ich nicht enttäuscht werden.“ 

Natürlich ist es immer möglich, enttäuscht zu werden, wenn man vom Guten ausgeht aber durch diese Einstellung beeinflusst man seine Wahrnehmung und sein Verhalten positiv und erhöht so auch die Chancen auf ein positives Ergebnis. 
Zu lernen, auch mit Niederlagen und Enttäuschungen umzugehen und sich nicht davor zu fürchten (denn sie sind ganz normal im Leben), ist ebenfalls ratsam. 

Wenn sie es nicht gleich schaffen, immer vom Guten auszugehen, dann versuchen sie es doch mal mit einem Mittelweg – einer neutralen Erwartungshaltung. Sie müssen sich ein Ereignis weder ganz in schwarz noch in glitzerpink ausmalen. Sie können es genauso gut gelassen sehen und keinerlei Spekulationen über die Zukunft anstellen. 

Legen sie los und machen sie es sich zum Lebensmotto, stets vom Guten auszugehen.

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