Lesen und Verstehen – verlorenes Grundschulwissen

In den letzten Wochen wird von der Bevölkerung ja so einiges an Disziplin und Rücksichtnahme abverlangt und als ob das nicht schon genug wäre, muss man auch noch ständig neue Verordnungen oder sonstige Pamphlete lesen, in denen uns die Regierung erklärt, was zu tun und zu lassen ist und wie man sich verhalten soll.

Dann wären da noch diese ganzen konfusen Informationen zum Thema Corona-Virus: „Das Heilmittel ist nah“, „Schutzmasken helfen“, „Schutzmasken sind sinnlos“, „1847 Impfstoffe entwickelt“, „Viren tarnen sich als Geldscheine“, „Viren sind eigentlich kleine chinesische Roboter“, „Wir werden alle sterben“.

IRONIE OFF!

Mal im Ernst: Ich habe (schon länger aber in letzter Zeit immer mehr) das Gefühl, dass vielen Menschen die Fähigkeit abhanden gekommen ist, Texte oder Informationen in Schriftform zu lesen und deren Inhalt zu verstehen bzw. korrekt zu interpretieren.

Ich bewege mich zum Zwecke der Themenrecherche auch in diversen Foren im Internet und stelle immer wieder fest, dass einfache Fragestellungen oft völlig falsch verstanden werden und die Antworten dann natürlich haarsträubend ausfallen.
Werden Beiträge gepostet, die mehrere Informationen enthalten, so fällt die Hälfte davon einfach unter den Tisch, soll heißen, wird nicht wahrgenommen. Das führt wiederum dazu, dass Antworten auf die betreffenden Beiträge völlig unbrauchbar sind.

Richtig problematisch wird dieses Unverständnis von Texten jedoch dann, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht, wie eben Verordnungen zur derzeitigen Corona-Pandemie.
Obwohl diese uns meist in kurzer und prägnanter Form dargestellt werden, scheint es vielen nicht möglich zu sein, deren Inhalt und erst recht nicht dessen Auswirkungen zu verstehen.

Der Satz: „Es gilt ein Verbot des Aufenthaltes in der Öffentlichkeit mit mehr als einer nicht im Haushalt lebenden Person.“ ist für nicht wenige Menschen bereits zu kompliziert. Die Aussage kann nicht erfasst und nicht richtig interpretiert werden.

Für mich ist das so erschreckend, weil wir bereits in der Grundschule gelernt haben, Texte zu lesen und deren Aussage zu verstehen.
Ich fand das damals ziemlich blödsinnig, einen Text zu lesen und dann dessen Inhalt in eigenen Worten nochmal aufzuschreiben.
Mittlerweile verstehe ich natürlich sehr gut was der Sinn des Ganzen war und bin froh, dass dies ein fester Bestandteil der Lehrpläne war und ist.

Im Laufe unseres Lebens wird genau diese Fähigkeit nämlich immer wichtiger. Wir müssen irgendwann nicht mehr nur unsere Schulaufgaben verstehen, sondern auch den Inhalt von Arbeitsverträgen, Versicherungsverträgen, Mietverträgen, Kreditverträgen, Hausordnungen, Angeboten, Reiseunterlagen, Elternbriefen und noch so vieles mehr.

Die Fähigkeit, Texte flüssig lesen zu können und deren Inhalt zu Verstehen, nennt man übrigens auch Lesekompetenz.
Die Vermittlung von Lesekompetenz ist zwar fester Bestandteil der Lehrpläne (zumindest bis einschließlich Klassenstufe 4) aber das reicht bei Weitem nicht aus. Das Lesen im nicht-schulischen Bereich ist immens wichtig, um Lesekompetenz nicht nur zu entwicklen, sondern auch beizubehalten. Leider kommt genau das heutzutage in vielen Familien zu kurz.

Das Lesen von Büchern wird als verstaubt und langweilig angesehen, als ein Relikt aus grauer Vorzeit. Doch dass genau DAS unsere Fähigkeit trainiert, geschriebene Worte welcher Art auch immer zu verstehen und außerdem noch unseren Wortschatz bereichert und damit die Fähigkeit sich mündlich und schriftlich zu artikulieren, scheint kaum noch jemanden zu interessieren.

Genau jetzt, sind viele Kinder zu Hause und werden von ihren Eltern unterrichtet. Vielleicht fällt einigen Eltern dabei auf, dass sie selbst Schwierigkeiten mit dem Verstehen von Texten haben und ihren Kindern die Aufgabenstellungen deswegen nicht erklären können. Vermutlich wird es aber eher so sein, dass die Schuld bei den Lehrern oder dem Bildungssystem gesucht wird.
Dabei wäre es so einfach. Gebt euren Kindern ein Buch und lasst sie lesen, lest ihnen vor oder mit ihnen gemeinsam. Am besten nehmt ihr euch selbst auch ein Buch und seid ihnen ein Vorbild. Denn wen ihr selbst Lesen verabscheut oder als langweilig darstellt, werden es die Kinder euch gleich tun.

Ein weiterer Vorteil des Lesens, neben dem besseren Verständnis geschriebener Texte und einem besseren Ausdrucksvermögen, ist die Stille. Stellt euch mal vor, eure Kinder sitzen oder liegen in ihren Zimmern und lesen – sind ganz versunken in abenteuerliche oder fantastische Geschichten. Diese Stille ist zuweilen unbezahlbar.

Ich bin sogar der Meinung, ein Buch zu lesen, sollte fester Bestandteil eines jeden Tages sein. Es macht durchaus Sinn, mal ein-zwei Folgen der geliebten TV-Serie wegzulassen und stattdessen vor dem Schlafengehen eine Stunde zu lesen.
Lesen entspannt und reduziert Stress (im Gegensatz zum Licht, das durch TV, Computer und Smartphones ausgestrahlt wird), es stärkt die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis und fördert neben den bereits genannten Komponenten auch die Allgemeinbildung und/oder Fantasie (je nachdem, was für Bücher man liest).

Also los – falls ihr und eure Kinder noch nicht regelmäßig lest, dann wird es höchste Zeit. Kauft euch ein paar schöne Bücher und stürzt euch ins Abenteuer.

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