Finanzen im Griff – Teil 6 – Rücklagen bilden

Der Notgroschen sollte nun langsam wachsen, weil ihr monatlich einen festen Betrag dafür spart. Er soll ausschließlich für vorab definierte Notfälle zur Verfügung stehen.
Man muss sich also überlegen, wie ab sofort kleinere und größere Wünsche oder Anschaffungen finanziert werden können, die nicht zu den definierten Notfällen gehören.

Die Strategie dafür heißt: Rücklagen bilden.

Rücklagen sind Geldbeträge, die ihr für vorher bestimmte Zwecke anspart (zurücklegt). Da ihr inzwischen bereits eure Ausgaben optimiert habt und das dabei freigewordene Geld dem Schuldenabbau und dem Notgroschen zuführt, fragt ihr euch vielleicht, woher nun noch das Geld für die Rücklagen kommen soll.
Die Antwort ist gar nicht so schwer. Ihr müsst weiteres Sparpotenzial in euren Ausgaben aufdecken und eure Einnahmen erhöhen.

Sparpotenziale aufdecken

Wieviel Geld gebt ihr eigentlich pro Woche aus? Ihr müsstet darauf eine ungefähre Antwort geben können, wenn ihr eure variablen Ausgaben budgetiert habt.
Doch auch hier macht es Sinn, jede einzelne Position zu überdenken. Es geht hierbei nicht darum möglichst billig einzukaufen. Es geht darum, den Verbrauch zu optimieren und auch generell zu hinterfragen.

Schauen wir uns die Kategorie „Lebensmittel“ an.

Wenn Ihr auf hochwertige und biologische Lebensmittel achtet, werdet ihr zwangsläufig ein höheres Budget in dieser Kategorie haben. Das Einsparpotenzial liegt hier also nicht beim Kauf günstigerer Produkte, sondern eher in der Menge.
Man kann zum einen seinen generellen Konsum optimieren – also Lebensmittel besser verwerten (z.B. aus Gemüseschalen und Fleischknochen einen Fond kochen, statt sie in den Biomüll oder auf den Kompost zu geben).
Man könnte sich auch dafür entscheiden, Lebensmittel selbst herzustellen (.z.B. Gemüse im Garten oder auf dem Balkon anbauen), statt sie zu kaufen.

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, wirkt sich eine Einsparung beim Lebensmittelbudget jedoch in durchaus nicht unerheblichem Maße auf das Zeitbudget aus. Es ist eine persönliche Entscheidung, ob man hier lieber Geld oder Zeit sparen möchte.

Etwas leichter ist es, wenn man konventionelle Lebensmittel kauft. Hier kann man einiges an Einsparungen erzielen, wenn man Preise vergleicht.
Ein Beispiel:
Italienische Spaghetti bestehen aus Hartweizengries und Wasser. Wenn man ein paar Produkte im Supermarkt vergleicht, kann man die 500g-Packung in einer Preisspanne von 2,59 € bis 0,45 € finden.
Die Zutaten sind immer gleich. welche man kauft, ist oft nur eine Frage der Gewohnheit. Da lohnt es sich, beim Einkauf genauer hinzuschauen.

Viel Sparen kann man beim Lebensmittelkauf auch, indem man einzelne Zutaten kauft statt fertiger oder vorbereiteter Gerichte.
In den Kühltheken gibt es immer diese leckeren Fruchtstücke von Ananas, Mango, Melone etc.. Die Preise dieser 200g Schalen sind jedoch enorm. Dafür könnte man zwei ganze Ananas oder Mango kaufen. Hier gilt es zu entscheiden, ob man 5 Minuten Zeit investiert, um die Früchte selbst zu schneiden oder viel mehr Geld dafür ausgibt.
Das gilt ebenso für Nudelsoßen, Salatsoßen, Salate und natürlich sämtliche Fertiggerichte.

Das Hinterfragen der Produktart (fertig oder einzel), der Menge, des Preises und der generellen Notwendigkeit eines Kaufes sollte für jede budgetierte Kategorie angewendet werden.
Außerdem sollte man sich mit Umgang und Verbrauch auseinandersetzen. Wieviel bleibt übrig und wird evt. sogar weggeworfen? Wie oft benötigt oder benutzt man etwas überhaupt? Wie würde sich ein besserer Umgang/Pflege auf die Lebensdauer der Dinge auswirken (gilt natürlich weniger für Verbrauchsgüter)?

Wenn ihr es auf diese Weise schafft, euer Budget noch weiter zu reduzieren, dann könnt ihr den dadurch freigewordenen Geldbetrag für eure Rücklagen nutzen.
Eine weitere Möglichkeit, Geld für Rücklagen zu generieren, besteht darin, sein Einkommen zu erhöhen.
Auch wenn das in vielen Fällen nicht in Form eines zusätzlichen Jobs möglich ist, gibt es doch ein paar Kleinigkeiten, mit denen man ab und zu Geld erwirtschaften kann.

Einkommen erhöhen

Eine gute Möglichkeit, sich ein paar Euro hinzuzuverdienen, ist der Verkauf von Dingen, die man selbst nicht mehr benötigt. Positiver Nebeneffekt: man befreit sich von überflüssigem Ballast und kann bei der Gelegenheit gleich seine Schränke und Schubladen aufräumen.
Online-Plattformen zum privaten Verkaufen gibt es jede Menge. Wer das nicht mag, sollte sich nach den Terminen für Flohmärkte in seiner Nähe erkundigen.

Wenn ihr ein Hobby habt und gut darin seid, solltet ihr überlegen, ob sich nicht damit etwas verdienen lässt. Ob als Trainer/in oder Betreuer/in in euerem Verein oder als Kunsthandwerker/in mit einem Etsy-Shop – ein paar Euro verdienen und dabei seiner Leidenschaft nachgehen, ist doch das Beste, was einem passieren kann.

Sofern es zeitlich möglich ist, könnt ihr natürlich auch einen Nebenjob annehmen. So etwas bietet sich insbesondere dann an, wenn man für eine größere Anschaffung sparen möchte.

Ach ja – und falls es bei euch möglich sein sollte, vergesst nicht, auch mal bei eurem Arbeitgeber nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Oft klappt das problemloser als man es sich vorstellt.

Das wichtigste bei allen Arten des zusätzlichen Einkommens ist, dieses Geld nicht einfach wild zu verprassen, sondern gezielt auf seine Rücklagen aufzuteilen.

Rücklagen bilden

Am besten legt ihr einen „Topf“ für jede Ausgabe an, die ihr über das aktuelle Jahr hinweg tätigen wollt. Das erfordert natürlich, sich zunächst einmal zu überlegen, was man anschaffen möchte und welche Rücklagen man unbedingt haben will (z.B. für die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen).

Erfasst alle geplanten Ausgaben in einer Tabelle – egal ob ihr schon genau wisst, wann ihr sie braucht und wie hoch sie sein sollen.
Dann habt ihr die Möglichkeit, zu recherchieren, was eine Neuanschaffung (z.B. Möbel) kosten wird und habt somit einen Zielbetrag.
Außerdem kann es sein, dass ihr einen Geldbetrag auch einem bestimmten Zeitpunkt benötigt (z.B. für einen Urlaub). In diesem Fall habt ihr einen Zielbetrag und ein Zieldatum.

Wenn ihr das alles aufgeschrieben habt, legt euch Zeilen für jeden Monat an und tragt dann immer dort ein, welchen Betrag ihr zur Seite gelegt habt. Bildet am besten eine Summenspalte für jede Anschaffung, sodass ihr jederzeit den aktuellen Stand sehen könnt.

So kann eine solche Tabelle aussehen:

Ihr braucht nicht für jede geplante Anschaffung ein separates Konto oder Unterkonto bei eurer Bank einrichten (falls das überhaupt möglich ist). Es genügt ein zusätzliches Unter- oder Sparkonto (neben dem Girokonto für die laufenden Ausgaben und einem Tagesgeldkonto für den Notgroschen). Fragt einfach bei eurer Bank nach, was es da für Möglichkeiten gibt.

Spart alle Beträge auf diesem Konto.
Anhand eurer Tabelle könnt ihr jederzeit sehen, welcher Betrag euch für welche Anschaffung aktuell zur Verfügung steht.

Es empfiehlt sich auch hier, bereits am Monatsanfang einen Betrag auf das Konto zu überweisen (und diesen auf die verschiedenen Töpfe zu verteilen). Wenn am Monatsende durch eure Sparmaßnahmen oder zusätzliches Einkommen noch Geld da ist, wird auch dieses als Gesamtbetrag überwiesen und dann auf die Töpfe verteilt.

Wer möchte, kann natürlich auch Bargeld sparen und dafür Umschläge oder Spardosen nutzen. Hier ist jedoch zu beachten, dass man für einige Zahlungen das Geld auf dem Konto benötigt (z.B. Bei Online-Bestellungen oder Überweisungen). Es muss also einen Weg für euch geben, das gesparte Bargeld beim Bezahlen zu nutzen (z.B. im Möbel- oder Bekleidungsgeschäft) oder auf ein Konto einzuzahlen. Das solltet ihr euch vorab überlegen.

Vorschläge für Rücklagen-Töpfe

Für diejenigen, die sich nicht sicher ist, wie sie anfangen sollen und welche Rücklagen sinnvoll sind, gibt es hier ein paar Vorschläge:

  • Kfz-Reparaturen und -Wartung
  • Tierarztkosten (falls Haustiere vorhanden sind)
  • Kleidung (für die ganze Familie)
  • Geschenke (Weihnachten, Geburtstage)
  • Urlaub
  • Handwerkerkosten (insbesondere bei Hausbesitzern ein MUSS)

Alles weitere ist euren ganz persönlichen Bedürfnissen überlassen.

Und wofür spare ich gerade?
Ich habe ein wunderschönes Samt-Sofa entdeckt, das perfekt in mein Arbeitszimmer passt.
Außerdem steht in diesem Jahr der TÜV für mein Auto an und ich brauche noch zwei neue Reifen.
Zwei weitere Spartöpfe sind bei mir „Geschenke“ und „Kleidung“ und für den Urlaub wird natürlich auch immer etwas zurückgelegt.

Jetzt seid ihr an der Reihe, euch zu überlegen, welche Rücklagen ihr anlegen wollt.

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