Finanzen im Griff – Teil 5 – Notgroschen aufbauen

Es gibt Situationen, die wir alle fürchten und von denen wir hoffen, dass sie an uns vorbei gehen mögen: ein defektes Fahrzeug, ein krankes Haustier, der plötzliche Verlust des Arbeitsplatzes oder eine längere Krankheit, ein Wasserschaden in der Wohnung für den die Vesicherung nicht aufkommt.

Doch es ist recht wahrscheinlich, dass eines oder mehrere dieser Probleme irgendwann einmal auftauchen. Wenn das passiert, dann trifft es viele von uns auch in finanzieller Hinsicht sehr hart.
Unerwartete Ausgaben bzw. Notfälle führen leider oft in die Schuldenfalle, weil man nicht in der Lage ist, das notwendige Geld auf einen Schlag aufzubringen oder eine zeitlang ohne das gewohnte Einkommen überbrücken zu kann. 

Genau dafür brauchen wir alle ein gutes finanzielles Polster und zwar eines, das wir tatsächlich nur für Notlagen nutzen. Umgangsprachlich nennt man so etwas NOTGROSCHEN. 

Inzwischen sollten sie ihre Einnahmen und Ausgaben ganz gut kennen. Außerdem wissen sie, wieviel Geld sie für ihre Lebenshaltung – also die monatlichen variablen Kosten benötigen und wie sie ihre Ausgaben optimieren können. 

Das durch die Ausgabenoptimierung freigewordene Geld sollte zu einem Teil dafür genutzt werden, eventuell vorhandene Verbindlichkeiten abzubauen (Schulden tilgen). Der andere Teil des gesparten Geldes soll nun der Grundstock für ihren Notgroschen werden. Wenn sie keine Schulden abzuzahlen haben umso besser, dann kann alles gespart werden.

Es ist zunächst wichtig, sich nochmal einen genauen Überblick über die aktuelle Finanzlage zu verschaffen, nachdem sie nun ihre festen und variablen Ausgaben kennen und wissen, wo sie Geld einsparen können. 
Diese Einsparungen bei den variablen Ausgaben – dem Haushaltsbudget – sowie eventuelle Einsparungen durch die Senkung der festen Kosten (siehe Beitrag „Ausgaben optimieren“), sollen nun in den Schulden-Abbau und in den Aufbau des Notgroschens fließen.

Vieviel Geld wohin fließen soll, müssen sie selbst entscheiden. Wenn sie Kredite mit hohen Zinsen abzubezahlen haben, dann sollte mehr als die Hälfte des gesparten Geldes in deren Tilgung fließen.
Handelt es sich um zinslose Darlehen, halbieren sie den Betrag und stecken die eine Hälfte in die Tilgung unddie andere in den Notgroschen. 

So könnte das zum Beispiel aussehen:

Wie sie sehen, werden Sparbetrag und Kreditraten zu den festen Ausgaben gezählt, denn sie sollen regelmäßig gezahlt werden und vor allem für ihr Haushaltsbudget nicht verfügbar sein. Insbesondere den Sparbetrag können sie natürlich immer wieder anpassen bzw. wenn sie zusätzliches Geld einnehmen (z.B. durch Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld oder eigene Verkäufe). 
Gewöhnen sie sich an, von allen zusätzlichen Einnahmen mindestens die Hälfte zum Sparen zu verwenden und am besten direkt auf das jeweilige Sparkonto zu überweisen. 

Hier kommen wir schon zu einem weiteren wichtigen Punkt. Legen sie einen Dauerauftrag (Gehaltskonto auf Spar- bzw. Tagesgeldkonto) für ihren Sparbetrag an und zwar für den ersten Tag des Monats bzw. den ersten Tag nachdem normalerweise ihr Lohn/Gehalt auf dem Konto eingeht.
Dieses Geld für den Notgroschen ist immens wichtig. Es muss also direkt weggelegt werden, noch bevor sie Zugriff darauf erlangen. 
Haben sie sich schonmal vorgenommen, den Betrag, der am Ende des Monats übrig bleibt zu sparen? Ist ihnen das gelungen? War am Ende des Monats überhaupt etwas übrig? – Höchstwahrscheinlich nicht. 
Und möglicherweise hatten sie dann auch noch ein schlechtes Gewissen, weil sie es wieder nicht geschafft haben, etwas zu sparen.
Das ist aber gar nicht verwunderlich, denn wir tendieren fast alle dazu, das uns verfügbare Einkommen auch zu nutzen. Selbst wenn wir schon alles haben, was wir für den Rest des Monats benötigen, dann gönnen wir uns von dem übrigen Geld gerne etwas.

Ab jetzt, gönnen sie ihrem Notgroschen jeden Monat etwas – und zwar eine angemessene Sparrate. Wenn sie dieses Geld gleich zu Monatsbeginn weglegen, ihre Ausgaben budgetieren und sich an das Budget halten oder es noch unterbieten, dann können sie sich von dem eventuell übrigem Geld gerne etwas gönnen und das auch noch mit einem richtig guten Gewissen.

Notgroschen? Ja! Aber wie hoch?

Sie haben sich vielleicht schon gefragt, wie hoch dieser Notgroschen eigentlich sein sollte. Hier kann man keine feste Größe nennen, denn die Höhe dieser eisernen Reserve muss sich natürlich nach ihren ganz persönlichen Lebensumständen richten.
Manch einem genügen 900 oder 1000 Euro im Monat, um alle festen und variablen Ausgaben zu decken, andere brauchen wesentlich mehr, weil sie eine größere Wohnung, Familie, Haustiere oder einen sehr weiten Arbeitsweg haben.

Sie haben den Vorteil zu wissen, wie hoch der Geldbetrag ist, den sie zwingend jeden Monat brauchen. Das ist nämlich die Summe aus den festen Ausgaben und den variablen Ausgaben laut ihrem eigenen Haushaltsbudget. 

Ihr erstes Ziel muss es also sein, genau diesen Betrag anzusparen. Wenn sie das erreicht haben, könnten sie theoretisch einen Monat lang ohne Gehalts- oder Lohnzahlung auskommen. Das beruhigt schon etwas aber noch nicht allzu sehr. 
Deswegen sollten sie sich an die Erreichung des nächsten Ziels machen und zwar den Betrag zu verdreifachen, sodass sie ein Vierteljahr damit auskommen würden. Doch auch das sollte noch nicht das Ende sein. 

Mal angenommen, sie verlieren aus irgendeinem Grund ihren Job. Dann dauert es durchschnittlich 37 Wochen, bis sie einen neuen gefunden haben. Das sind ungefähr 9 Monate.
Natürlich ist das nur ein deutschlandweiter Durchschnittswert aber für die Berechnung des Notgroschens, sollten sie vorsichtshalber von einer solch langen Zeit ausgehen. 
Das Ziel muss es also sein, eine Zeit von mindestens 6, noch besser 9 bis 12 Monaten überbrücken zu können, ohne in eine finanzielle Notlage zu geraten. 
Natürlich erhalten sie im Fall einer Arbeitslosigkeit auch ein Arbeitslosgengeld – Sie müssen also nicht komplett von ihrem Notgroschen leben. Dieser ist aber ja nicht nur für einen Totalausfall des Einkommens gedacht, sondern auch für … ja für was eigentlich?

Genau das müssen sie für sich selbst definieren. Wofür wollen sie ihre eiserne Rücklage verwenden?

Ich denke, ein Totalausfall des Autos oder eines wichtigen Haushaltsgeräts wäre so ein Fall. 
Es kann aber auch eine Heilbehandlung sein, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Jeder, der schonmal Zahnersatz brauchte, weiß dass einen diese Summen schnell an die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten bringen können – ebenso wie eine gute Brille.  
Rund um die Wohnung oder das Haus können ebenfalls hohe, ungeplante Kosten entstehen. Die Versicherungen decken oft nicht alles ab, was einem so passieren kann. Auch hierfür ist der Notgroschen sinnvoll. Auch ein Todesfall kann eine große finanzielle Belastung darstellen. Eine einfache Feuerbestattung kann schon 5.000 € und mehr kosten. Auch über solche Dinge muss man nachdenken und dafür vorsorgen.

Für Familien gilt übrigens die gleiche Rechnung. Sie haben gemeinsame feste und variable Kosten und bei der Berechnung des Notgroschens sollte natürlich der Bedarf der kompletten Familie als Grundlage genommen werden. 

Hier ein Rechenbespiel:

Diese Beträge erscheinen zunächst einmal wie übermächtige Ziele, die man also Normalverdiener niemals erreichen kann. Doch man sollte sich auf keinen Fall davon abhalten lassen, diese Ziele anzustreben.
Es mag vielleicht eine ganze Weile dauern, bis man sie erreicht aber unmöglich ist es nicht.
Selbst wenn man es nur bis Ziel Nr. 2 schafft, ist das schon ein großer Schritt und eine beruhigende Summe auf dem Konto. 

Im nächsten Artikel beschäftige ich mich damit, wie man weitere Sparpotenziale aufdecken und seine Einnahmen erhöhen kann und damit, wofür man außer dem Notgroschen noch so alles sparen sollte.  

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