Finanzen im Griff – Teil 4 – Schulden abbauen

Fast jeder von uns gerät ab und zu in Versuchung, etwas „auf Pump“ zu kaufen. Heute wird uns das durch das harmlose Wort „Finanzierung“ schmackhaft gemacht. Man kauft sein Auto nicht mehr auf Kredit, sondern finanziert es.

Generell ist es natürlich nichts Schlimmes, eine größere Anschaffung, die wirklich notwendig ist, in Raten abzubezahlen. In der Zeit der „Nullzinspolitik“ und der „Strafzinsen“ freuen sich die Banken über jeden, an den sie ihr Geld loswerden können.
Doch trotzdem muss jeder Ratenkredit (auch wenn er einem zinslos hinterhergeworfen wird) sehr gut überdacht werden. Im Klartext bedeutet jeder Kredit, den wir aufnehmen, dass wir Schulden machen.

Diese Schulden tun uns im Augenblick des Vertragsabschlusses nicht weh und wir erfreuen uns gleichzeitig an unserer tollen Neuanschaffung. Doch spätestens mit der ersten Rate, die von unserem Konto abgebucht wird, bemerken wir vielleicht, dass es doch ein bisschen weh tun, weil die 50, 100 oder 200 Euro im Monat unser Budget belasten und wir uns dafür nun andere Dinge nicht mehr leisten können. Schlimmstenfalls leisten wir uns trotzdem noch alles wie bisher und rutschen nach und nach immer weiter ins Minus bzw. den teuren Dispokredit.

Bevor sie also etwas auf Kredit, Finanzierung oder Ratenzahlung kaufen, denken sie daran:

Jeder Kredit- oder Ratenkauf erhöht die festen Ausgaben und verringert das Haushaltsbudget.

Das Ansparen des benötigten Geldbetrages verringert natürlich auch ihr Haushaltsbudget. ABER : wenn sie einen Kreditkauf tätigen, dann verpflichtet sie sich vertraglich gegenüber einem Kreditinstitut für X Jahre jeden Monat einen festen Betrag zu zahlen (und zahlen womöglich noch Zinsen und Bearbeitungsgebühren).

Wenn sie aber vorab jeden Monat einen bestimmten Betrag sparen, dann bleiben sie flexibel. Sie sind niemandem gegenüber vertraglich verpflichtet und können jeden Monat den Betrag sparen, den sie auch wirklich entbehren können.
Wie schon im letzten Beitrag geschrieben – Geduld ist eine Tugend, die ihnen in finanziellen Belangen sehr nützlich sein wird.

Wenn sie bereits Schulden haben, dann sollten sie ganz schnell damit beginnen, diese loszuwerden. Denn Schulden gegenüber anderen, egal ob es sich um Finanzinstitute oder Privatpersonen handelt, sind nicht nur eine Belastung für das Budget, sondern auch für die Psyche – ihre eigene, die ihres Partners oder der Partnerin, ihrer ganzen Familie.

Der Überblick

Zuerst kommt, wie auch schon bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, der große Überblick. Mag sein, dass sie die ganze Wahrheit gar nicht sehen wollen aber dies ist der einzige Schritt, der sie auf den richtigen Weg führen wird.

Nehmen sie sich also ihre Unterlagen zu Kreditverträgen, Auto-, Handy- und sonstigen Finanzierungen vor und schreiben sie alles in eine Tabelle. Achtung! Auch der Dispo ist ein „Kredit“ – mit dem Unterschied, dass er kein Enddatum hat und es keine festen Raten gibt. Für diesen „Luxus“ bezahlen sie aber auch ordentlich Zinsen.

Führen sie dabei jede einzelne Verbindlichkeit (das ist das kaufmännische Wort für Schulden) auf und zwar sortiert nach der Höhe der Zinsen, die sie dafür zahlen. Den Zinssatz finden sie in den Vertragsunterlagen. Das ist insofern wichtig, weil sie die Verbindlichkeiten auf die sie hohe Zinsen zahlen, natürlich mehr kosten und diese somit auch zuerst abbezahlt werden sollten.

Wenn sie zum Beispiel ihren Dispo nutzen, dann müssen sie den Betrag mit dem sie im Minus sind als Darlehensbetrag aufführen. Dieser Kredit wird auch an erster Stelle in ihrer Tabelle stehen, denn die Dispozinsen liegen bei durchschnittlich 9,7 Prozent. Das schafft kaum ein normaler Ratenkredit.
Da es in diesem Fall keine festgelegte Rate gibt, müssen sie sich selbst überlegen, mit wieviel sie diesen Kredit nun monatlich abbezahlen wollen (d.h. um diesen Betrag muss sich das Minus jeden Monat verringern).
Der Dispo sollte wirklich oberste Priorität haben. Wenn dieser ausgeglichen ist, dann können sie damit beginnen, sich über die Raten der anderen Kredite Gedanken zu machen.

Hier finden sie eine Vorlage für ihre Übersicht:

Übersicht Verbindlichkeiten

Der Zahlungsplan

Nachdem sie alle Verbindlichkeiten aufgelistet haben, legen sie sich am besten Zahlungspläne zu jedem einzelnen Kredit an. Diese Pläne sind eine simple Darstellung der monatlichen Zahlungen und des verbleibenden Restbetrages.
Jetzt werden sie vielleicht denken „Warum soll ich das aufschreiben, die Bank bucht doch sowieso jeden Monat automatisch ab.“.
Dieses Verfahren hat jedoch durchaus einen Sinn. Durch das regelmäßige Ausfüllen der Tabellen, bekommen sie ein Gefühl dafür, wo sie stehen und sie können sehen, wie sie sich immer weiter in Richtung Ziel bewegen.

Es macht wirklich Freude und auch ein bisschen stolz zu sehen, wie man Monat für Monat etwas vom Schuldenberg abträgt. Und wenn sie den ersten Kredit geschafft haben, können sie ihren Zahlungsplan auf die von ihnen bevorzugte Weise vernichten oder auch einrahmen. Sie können den Kredit von ihrer Übersichtsliste streichen und sich voll motiviert dem nächsten zuwenden.

Hier könnt sie sich eine Vorlage für einen Zahlungsplan herunterladen:

Legen sie sich für jede einzelne Verbindlichkeit einen Zahlungsplan an und notieren monatlich, wieviel sie abbezahlt haben und wie hoch der Restbetrag ist.

Vorsicht Falle!

Die Kreditraten sind fester Bestandteil ihrer festen monatlichen Ausgaben. Sie bestimmen also auch die Höhe ihres verfügbaren Haushaltsbudgets. Fällt nun ein Kredit weg, sinken die festen Ausgaben und sie haben ein größeres Budget. Nun heißt es aber tapfer sein, damit sie nicht in eine neue Falle tappen!

Verwenden sie dieses zusätzliche Geld nicht dazu, mehr Sachen zu kaufen. Dann haben sie nichts gewonnen.
Teilen sie das zusätzliche Geld auf. Nehmen sie einen Teil und beginnen sie damit, sich ein kleines Polster anzusparen. Nehmen sie den anderen Teil und versuchen sie, für einen der anderen ausstehenden Kredite die Raten zu erhöhen. Wie hoch welcher Teil ist, sollten sie selbst entscheiden. Wenn es nicht möglich ist, eine Rate zu erhöhen, dann sparen sie das ganze Geld.

Bei der Veränderung von Raten sind viele Kreditinstitute recht unflexibel. Sie sollten es trotzdem versuchen und einfach mal anrufen und höflich nachfragen. Wenn man ihnen entgegenkommt, ist das ein voller Erfolg und wenn nicht, dann haben sie trotzdem etwas gewonnen – nämlich ein Stück mehr Selbstvertrauen, weil sie sich aktiv um ihre Finanzen gekümmert haben.

Ein weiteres Thema, das für das Ziel der finanziellen Balance wichtig, eigentlich unabdingbar ist, wurde im vorherigen Absatz bereits kurz angesprochen, Es ist das Sparen. Natürlich ist es schwer, ans Sparen zu denken, wenn man gerade so über die Runden kommt und auch noch Kredite abzahlen muss.

Wieso sie trotzdem sofort damit anfangen sollten, wie ihnen das gelingen kann und wieviel sie eigentlich ansparen sollten, wird Thema des nächsten Teils von „Finanzen im Griff“ sein.

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