Finanzen im Griff – Teil 3 – Ausgaben optimieren

Einen Überblick verschaffen, die Ausgaben tracken und Budgets festlegen waren die Dinge, die ich in den letzten Beiträgen besprochen habe. Damit ist schon ein gutes Stück des Weges zur finanziellen Balance geschafft.
Das Ziel des Ganzen war es, in Zukunft genau zu wissen, wieviel Geld man zur Verfügung hat, wieviel man davon ausgibt und vor allem wofür.

Nun ist es an der Zeit, die Ausgaben auf Einsparungspotenzial zu prüfen und dann zu optimieren. Ich verwende hier bewusst das Wort „optimieren“ statt „reduzieren“. Sparen um jeden Preis ist weder gut für unseren Geist noch für unsere Körper, unsere Beziehungen, die Umwelt, die Tiere usw.
Geiz ist NICHT geil!

Ich verrate euch später noch Strategien, wie ihr lernt, anders Geld auszugeben. Bis dahin müssen wir jedoch in den sauren Apfel beißen, und die Ausgaben einer genaueren Überprüfung unterziehen.

Optimierung feste Ausgaben

Das ist für die meisten Menschen die größte Hürde, denn feste Ausgaben lassen sich nicht einfach durch eine Verhaltensänderung beeinflussen. Man muss wirklich aktiv werden, eventuell recherchieren oder sich beraten lassen, Verträge kündigen, neue Verträge abschließen usw. Das Ganze ist auch meist mit Wartezeiten verbunden, weil wir auf die Rückmeldung der beteiligten Institutionen/Personen angewiesen sind. Deswegen sollte das auf jeden Fall euer nächster Schritt sein. Nutzt eure derzeitige Motivation aus und wagt euch an das Thema heran.

Denkt langfristig – die Zeit und Mühe, die ihr jetzt investiert, zahlt sich langfristig für euch aus.

Schauen wir uns nun die möglichen festen Ausgaben und ihre Optimierungspotenziale an:

Kostenart   Optimierungspotenzial
Miete/Hauskredit Nein (es sei denn, man möchte sich verkleinern)  
Nebenkosten (Wasser, Abwasser, Heizung Müll) Ja (konsequentere Mülltrennung, Wasserverbrauch und Heizkosten übeprüfen)  
Strom Ja, Verhaltensweisen zum Stromsparen prüfen  
Telefon-/
Internetanschluss
Ja (Vertrag prüfen, Tarife und Anbieter vergleichen)  
Mobildfunk Ja (Vertrag prüfen, Tarife und Anbieter vergleichen)  
Fernsehen (Kabelanschluss, Streaming etc.) Ja (Anbieter vergleichen, generelle Notwendigkeit prüfen)  
Rundfunkgebühren (leider) Nein  
Versicherungen (KfZ ,Hausrat, Haftpflicht, sonstige) Ja (Notwendigkeit prüfen, Tarife und Anbieter vergleichen)  
KfZ-Steuer Eventuell (nur in Verbindung mit einem neuen Auto)  
Kredite/
Ratenzahlungen
Nein (so schnell wie möglich abbezahlen, insbesondere, wenn es sich um einen Dispokredit handelt)    
Abbonements (Zeitschriften, sonstige Dienste) Ja (Notwendigkeit prüfen, Bibliothek in Anspruch nehmen)  
Mitgliedschaften (Verein, Fitnessstudio etc.) Ja (tatsächlichen Nutzen prüfen, Alternativen suchen)  

Möglicherweise habt ihr auch noch weitere feste Ausgaben. Notiert alles, wie oben gezeigt und schreibt dazu welche Optimierungsmöglichkeiten es geben könnte. Ihr müsst sie natürlich nicht alle ausschöpfen aber es ist gut zu wissen, in welchen Bereichen es diese Option gibt.

Stellt euch zu jeder Ausgabe die folgenden Fragen:

  • Habe ich einen Nutzen davon?
    Nutze ich es oft genug, um den Preis zu rechtfertigen? (Verein, Fitnessstudio)
  • Schöpfe ich die im Angebot enthaltenen Möglichkeiten überhaupt aus? (z.B. Datenvolumen beim Handy)
  • Gibt es Möglichkeiten des „Downgradings“ – also das Reduzieren der vertraglichen Leistungen und damit auch eine Preisreduzierung (Handyvertrag, Stromvertrag, Streaming Abos)
  • Kann ich komplett auf die Leistung verzichten? Welche Alternativen hätte ich? (Verein, Fitnessstudio, Festnetzanschluss, Kabelanschluss etc.)

Seid ruhig kritisch bei der Beantwortung der Fragen und kommt aus eurer Komfortzone raus. Sicher ist es angenehm, eine große Auswahl beim abendlichen Fernsehen zu haben aber müssen es wirklich mehrere Streaming-Dienste sein, evt. sogar zusätzlich zum normalen Kabelanschluss?
Lohnt es sich für 2 Stunden Fußballschauen pro Woche, Geld zu bezahlen?

In Zeiten des Internet kann man online soviel anschauen, ohne etwas zu zahlen. Manchmal muss man eben nur etwas Geduld aufbringen und ein-zwei Tage warten, bis die Sendung, die man sehen möchte, online verfügbar ist.

„Warten können“ oder auch „Geduld haben“ sind generell Tugenden, die in Sachen Geld sparen und Finanzen optimieren eine sehr wichtige Rolle spielen. Wer alles sofort haben will, zahlt oft einen höheren Preis. 😉

Optimierung variable Ausgaben

In diesem Bereich können wir richtig kreativ werden und aus dem Vollen schöpfen. Schreibt zunächst wieder eure Tabelle:

Kostenart Optimierungspotenzial
Lebensmittel Ja (Preise vergleichen, Vorratshaltung, Mahlzeitenplanung)  
Drogerie (Haushalt, Pflege) Ja (Preise vergleichen, Notwendigkeit prüfen, Alternativen suchen)  
Apotheke Ja (Preise vergleichen, nicht für jede Erkältung die chemische Keule einsetzen)  
Tanken/Transport/
Verkehr
Ja (Fahrstil und Nutzungsverhalten prüfen und anpassen, Preise vergleichen)  
Schreibwaren Ja (Preis vergleichen)  
Bücher/
Zeitschriften
Ja (Bibliotheksmitgliedschaft, Bücher tauschen oder gebraucht kaufen, Blogartikel statt Zeitschriften lesen)  
Unterhaltung Ja (Rabatte nutzen z.B. Kinotage, 10er Karten, Gruppenkarten, kostenlose Unterhaltung vorziehen z.B. gemeinsame Spiele- oder Fernsehabende)  
Bekleidung/
Schuhe
Ja (Preise vergleichen, Notwendigkeit prüfen, Kleiderschrank aufräumen, neu sortieren, Reparieren statt neu kaufen)  
Ausgehen Ja (sieh Unterhaltung, Häufigkeit reduzieren, Alkoholkonsum reduzieren)  
Geschenke Ja (nach Wünschen fragen, statt sinnlos zu kaufen, gemeinsame Zeit oder eigene Dienstleistungen verschenken)  

Hier gibt es derart viele Möglichkeiten, Geld einzusparen, dass es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, auf alles einzugehen.
Aber eines möchte ich euch auf den Weg geben. Wenn ihr wirklich etwas ändern wollt, müsst ihr bei euch selbst anfangen. Ihr müsst nämlich das:

Geldausgeben ganz neu lernen

Stellt euch vor, ihr hättet noch nie im Leben Geld besessen und würdet nun zum ersten mal mit eurem Gehaltszettel da stehen. Ihr wärt wahrscheinlich überwältigt, weil ihr noch gar nicht wisst, was ihr mit dem ganzen Geld machen sollt.
Ihr wisst auf jeden Fall schon, dass ein großer Teil davon für die festen Ausgaben weggeht. Aber es bleibt immer noch einiges übrig.
Fangt jetzt sofort damit an, dieses Geld zu wertzuschätzen. Ihr habt es euch durch eure Arbeit selbst verdient. Ihr steht dafür jeden Morgen auf und verbringt den Großteil des Tages weg von zu Hause mit fremden Menschen.

Das Geld, welches ihr in Händen haltet, ist eine Entschädigung für eure Lebenszeit, für eure Energie, für euer Wissen, eure Talente und Fertigkeiten, die ihr eurem Arbeitgeber zur Verfügung stellt.
Muss man so etwas nicht wie einen Schatz behandeln?
Muss man es nicht wertschätzen und sich ganz genau überlegen, wofür man es wieder aus der Hand gibt?

Fangt gleich heute damit an!

Tauscht euer schwerverdienstes Geld nicht gegen irgendeinen Mist ein. Überlegt vorher, ob sich die Ausgabe lohnt. Habt Geduld, bevor ihr etwas neu anschafft und vergleicht in Ruhe die Preise. Überlegt, ob man es auch gebraucht kaufen kann. Spart euch erst den Betrag an, den ihr benötigt und kauft nicht „auf Pump“.

  • Beginnt damit, alle eure Besitztümer wertzuschätzen.
  • Überlegt genau, ob ihr einen Gegenstand wirklich ersetzen wollt nur weil er nicht mehr schick aussieht oder ob er euch trotzdem noch gute Dienste leisten kann.
  • Denkt darüber nach, was es mit eurer Kleidung, euren Schuhen oder Taschen macht, wenn ihr sie nach dem Heimkommen einfach in eine Ecke schmeißt.
  • Pflegt eure Sachen, damit sie länger halten und euch weiterhin gefallen.
  • Behandelt all eure Besitztümer mit dem gegebenen Respekt, denn ihr habt eurer hart verdientes Geld für sie eingetauscht.

Ich hoffe, dass diese Tipps euch dazu anregen, den Umgang mit Geld zu überdenken und vielleicht sogar damit anzufangen, das Geldausgeben neu zu lernen.

Seid nächste Woche unbedingt wieder dabei, wenn es im vierten Teil der Reihe „Finanzen im Griff“um das Thema „Schulden abbauen“ geht.

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