Entwerfen, Entwickeln, Entfalten – Warum wir uns verändern sollten

Es ist jetzt schon einige Jahre her, dass ich in einer ziemlich unangenehmen gesundheitlichen Situation feststeckte. Viele kennen das vielleicht: Man ist innerlich angespannt, verspannt sich daraufhin auch körperlich und wenig später wird man von Schulter-, Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen geplagt. Die meisten Büromenschen aber auch viele andere können ein Lied davon singen.
Bei mir war das vor Jahren jedoch ein Dauerzustand. Die Tage an denen ich mal nicht mit Kopf- und Nackenschmerzen aufgewacht bin, waren die Ausnahme. Ich hatte mich sogar schon an diesen ständigen Schmerz – gegen den übrigens keine normalen Schmerzmittel halfen – gewöhnt und ertappte mich dabei, wie ich mich morgens auf dem Weg zur Arbeit fast schon freute, weil der Kopf mal nicht ganz so sehr weh tat.
Mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Dieser Zustand raubte mir einen beträchtlichen Teil der Freude im Leben. Ich ließ mir äußerlich nicht viel anmerken aber innerlich war ich immer damit beschäftigt, wie ich den Schmerz erträglicher machen könnte.
Also ging ich zum Arzt. Der untersuchte mich, stelle erhebliche Muskelverhärtungen fest und schickte mich zum MRT. Dieses ergab Bandscheibenvorwölbungen in der Halswirbelsäule. „Da kann man nichts machen“, war die Aussage des Arztes. Trotzdem bekam ich noch eine Überweisung zum Orthopäden. Mittlerweile waren auch noch permanente Schmerzen in der rechten Schulter hinzugekommen und es kam mir vor, als wäre mein Körper eine Baustelle – so eine wie auf den Autobahnen, die niemals fertig werden.
Der Orthopäde bestätigte nochmal die Diagnose für die Halswirbelsäule und stellte fest, dass meine Schulter eigentlich tiptop in Ordnung ist. Ich bekam Physiotherapie, Elektrotherapie, richtig heftige Schmerzmittel und ein Rezept für Rückensport.
Ich machte alles brav mit und es half auch ein wenig aber ich fühlte mich immer noch, wie in einem Schraubstock eingeklemmt. Da sagte der Orthopäde irgendwann die entscheidenden Sätze.
„Sie müssen sich selbst beobachten. Irgendetwas daran, wie sie sich verhalten, führt zu Fehlhaltungen und Verspannungen. Finden sie die Ursachen und dann können sie auch etwas ändern.“
Wow! Das klang für mich erstmal total frustrierend. Mir war schon klar, dass mein Bürojob und das viele Sitzen vor dem Computer ganz viel zu meinem Problem beitrugen aber das ließ sich halt nicht mal eben so ändern. Zu wenig Bewegung? Möglicherweise. Innere Anspannung? Ganz sicher.
Ich tat durchaus, was der Arzt mir empfahl und entdeckte so einige Dinge, die sich negativ auf meinen Zustand auswirkten. Doch wie sollte ich die alle auf einmal ausschalten? Ich kam mir völlig hilflos vor und war frustriert, weil niemand mir wirklich helfen konnte. Doch die Erkenntnis – das was der Arzt ja eigentlich schon zu mir gesagt hatte – traf mich ganz plötzlich.
Nur ich selbst konnte mir helfen und zwar indem ICH MICH VERÄNDERE!

Wild entschlossen entwarf ich einen Plan.

  • Ich beantragte einen neuen Schreibtisch für mein Büro – einen, an dem man auch stehend arbeiten kann.
  • Ich setzte mir Erinnerungen für kurze Dehnungsübungen in meinen Kalender (der vom E-Mail-Programm), die jede Stunde aufpoppten.
  • Ich stellte mir ein 20-minütiges Yoga-Programm zusammen, dass ich jeden Morgen nach dem Aufstehen durchziehen wollte.
  • Ich stellte mir ein Trainingsprogramm zusammen (vorher las ich jede Menge Bücher darüber, suchte mir Youtube-Videos heraus und ließ mir Tipps von Physiotherapeuten geben), dass ich mindestens vier Mal in der Woche absolvieren wollte.
  • Ich beschloss, in jeder Hinsicht gelassener zu werden und so innere Anspannung zu reduzieren.

Ich nahm mir fest vor, das ganze zunächst für einen Monat konsequent durchzuziehen (ok, auf den Schreibtisch musste ich noch etwas warten aber er kam tatsächlich irgendwann). Nach Ablauf des Monats würde ich sicher merken, ob sich etwas verändert hat und dann entscheiden, ob es sich lohnt so weiterzumachen.

Was meinen Sie, wie ich mich entschieden habe? Hier die Auflösung:

  • Ich arbeite jeden Tag mindestens zwei Stunden stehend.
  • Ich nutze meine Mittagspause so oft wie möglich für einen Spaziergang. Die Dehnungsübungen mache ich nicht mehr tagsüber.
  • Ich absolviere jeden Tag meine morgendliches Yoga-Programm (und ich liebe es!).
  • Ich trainiere (fast) jeden Tag für mindestens 30 Minuten. Meine Traingsprogramme wechseln häufig, da ich mich schnell langweile.
  • Ich meditiere täglich für mindestens 10 Minuten (meistens aber länger), schlafe gut, fühle mich ausgeglichen und reagiere schon viel gelassener als früher auf ärgerliche Situationen.

Ich gebe zu, dass ich immer noch ab und an von Verspannungen und den entsprechenden Folgeschmerzen heimgesucht werde. Aber die Häufigkeit hat sich so extrem reduziert, dass ich mich kaum noch daran erinnere, wann das letzte Mal war. Und vor allem weiß ich dann auch immer, woran es gelegen hat und habe entsprechende Strategien, die mir helfen alles wieder ins Lot zu bringen.

Diese kleine Krankengeschichte erzähle ich Ihnen, weil es das für mich persönlich eindrücklichste Beispiel dafür ist, warum Veränderung für uns wichtig ist.
Im Laufe eines Lebens können sich Gewohnheiten einschleichen, die sich ungünstig auf unsere körperliche und/oder seelische Verfassung auswirken. Je länger wir diese Gewohnheiten beibehalten, desto gravierender sind die Folgen.

Deshalb ist es immens wichtig, dass wir ab und zu einen genauen Blick auf unser Leben werfen. Besonders dann, wenn wir uns bereits unzufrieden, frustriert, genervt oder vom Leben gelangweilt fühlen. Gesundheitliche Probleme für die keine handfeste organische Ursache gefunden wird, können ebenfalls eine Manifestation jahrelang eingeübter negativer Gewohnheiten sein.
Nur wenn wir erkennen, welche unserer Verhaltensweisen dazu führen, dass wir uns nicht gut fühlen oder es uns sogar schlecht geht, können wir etwas dagegen tun. Ja, in diesem Fall müssen WIR SELBST uns bzw. unser Verhalten ändern.
Möglicherweise kommen jetzt ein paar Einwände in euch hoch. Dass ja Ihr Chef ein Tyrann ist und Sie deshalb bei der Arbeit ständig unter Druck stehen, dass die Kollegen Sie schlecht behandeln, dass der Partner oder die Kinder keinen Respekt vor Ihnen haben oder Sie nicht genügend wertschätzen und und und…
Andere Menschen nach Ihren Wünschen verändern zu wollen, wird nicht funktionieren. Der einzige Mensch, den Sie verändern könnt, sind Sie selbst.
Im Falle des ungerechten Chefs, der bösen Kollegen, ungehorsamen Kinder, gleichgültigen Partner (ich meine hier immer beide Geschlechter), macht es durchaus Sinn sich bzw. seine eigene Reaktion zu auf die anderen zu beobachten und zu verändern.

Niemand kann mich ohne meine Erlaubnis verletzen.

Mahatma Gandhi

Dieses Zitat trifft es auf den Punkt. Werden Sie zum Beispiel von irgendjemandem ungerecht behandelt oder gar angeschrien, können Sie daraufhin wütend oder zornig werden, sich echauffieren und aufregen, zurück schreien oder weinen. Aber wer sagt denn, dass Sie das müssen?
Nur Sie selbst haben die Macht, darüber zu entscheiden wie Sie reagieren. Ihr Gegenüber hat hingegen überhaupt keine Macht über Ihre Emotionen und Reaktionen.

Vielen Menschen sind solche Dinge nicht bewusst und das ist auch gar nicht schlimm, solange wir nicht auf ewig in unseren Verhaltensmustern feststecken. Es ist normal, dass wir immer mal wieder Gewohnheiten entwickeln, die sich über längere Zeit schlecht auf uns, unser Leben oder das was für über uns denken, auswirken. Kein Mensch ist eben perfekt und selbst wenn, dann sicher nicht auf Dauer.
Umso wichtiger ist es, dass wir uns selbst ab und zu einem ganz persönlichen „Check up“ unterziehen, dass wir schlechte Gewohnheiten identifizieren, einen Plan entwerfen, wie wir sie ändern können, uns weiterentwickeln und uns zu dem entfalten, was oder wie wir gerne sein möchten.

Deshalb ist stetige Veränderung wichtig. Es geht nicht darum, unser ganzes Leben plötzlich zu ändern. Es geht um die Veränderung von schlechten Gewohnheiten zu guten Gewohnheiten.

Und… was ist schon ein Leben so ganz ohne Veränderung?
Langweilig, würde ich behaupten.

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