Dinge, die organisierte Menschen anders machen – Teil 6 – Ordnung halten

Wir alle haben diese Kolleg(Inn)en, die man kaum sieht, weil sie hinter Papierbergen auf ihrem Schreibtisch verschwinden. Oder die jeder Luftzug einem Nervenzusammenbruch nahe bringt, weil Papier in Mengen auf- und durcheinander gewirbelt wird.
Habt ihr einen solchen Menschen schon einmal gefragt, was eigentlich auf dem zehnten Blatt von oben auf dem Stapel rechts vorne auf dem Tisch steht?
Der- oder Diejenige wird euch wahrscheinlich ungläubig anschauen und wenn gerade Zeit ist, vielleicht sogar nachsehen. Es wird mit ziemlicher Sicherheit keiner direkt sagen können, was sich wo in einem seiner Stapel befindet.
Solche Fälle gibt es auch zur Genüge im privaten Bereich. Sei es das vor Stapeln an unsortierten Papieren und Rechnungen überquellende Arbeitszimmer, Berge von gewaschener oder auch ungewaschener Wäsche, die im Chaos versinkende Wohnung, Schränke deren Inhalt einem direkt vor die Füße fällt, sobald man sie öffnet oder sogar die Kreditkarten-abrechnungen und Kontoauszüge, die man sich lieber nicht mehr anschaut.
All diese Dinge haben etwas gemeinsam. Wie im allerersten Beispiel, weiß kaum einer, was sich in dem Chaos alles verbirgt und es nützt einem so überhaupt nichts – also überhaupt GAR NICHTS! Im Gegenteil – es ist sogar überaus belastend.

Organisierte Menschen kennen solche Dinge durchaus und zwar aus ihrer Vergangenheit, als sie noch nicht organisiert waren. Sie haben es geschafft, sich und ihr Umfeld zu ändern und ihr Leben dadurch ein gute Stück stressfreier zu gestalten. Wie? Einfach nur, in dem sie sich das

Ordnung halten

zur Gewohnheit gemacht haben.

Dieses Verhalten hat recht viel mit den vorangegangenen Punkten zu tun. Wenn man die Punkte 1 bis 5 bereits verinnerlicht hat, ergibt sich fast zwangsläufig, dass mehr Ordnung ins Leben einzieht.

Doch man kann auch bereits ohne die Perfektionierung der vorangegangenen Verhaltensweisen damit beginnen, die Ordnung in seinem Leben zu suchen und wenn man sie nicht findet, wieder herzustellen.

Bestimmt gibt es Dinge, die ihr schon ganz ordentlich macht. Vielleicht habt ihr wichtige Unterlagen wie Arbeitsverträge, Zeugnisse, Mietvertrag in einem Ordner abgeheftet? Sortiert ihr eure Bücher, CDs oder DVDs im Regal in irgendeiner Weise? Oder euer Geschirr… da habt ihr doch bestimmt Teller, Schüsseln und Tassen im Schrank gestapelt.
Das ist doch schon mal ein guter Anfang, der zeigt, dass ihr durchaus wisst, wie Ordnung halten geht.

Der physischen Ordnung (also für alles Materielle) liegt eigentlich ein ganz simples Prinzip zugrunde, dass sogar fast jeder kennt. Es besteht aus zwei ganz kleinen Sätzen:

  • Alle Dinge haben einen Platz an den sie gehören.
  • Alle Dinge werden nach Benutzung an ihren Platz zurückgeräumt.

Und das ist auch schon das ganze Geheimnis um das „Ordnung halten“. Das funktioniert in jedem Bereich des Lebens und jedes Kind versteht das Prinzip und kann es umsetzen, sobald man es ihm einmal erklärt hat.

Doch wie bei allem im Leben, kommt uns auch in Sachen Ordnung öfter mal was dazwischen. Meistens ist es der innere Schweinehund – nein, eigentlich immer. Denn Argumente wie keine Zeit, zu viel Stress, zu müde etc. zählen nicht wirklich, da Ordnung halten eine Sache von wenigen Minuten ist.
Eine ganz andere Sache ist das Ordnung SCHAFFEN. Wenn jemand von euch vielleicht bisher immer im Chaos gelebt oder gearbeitet hat, muss natürlich erst einmal eine Grundordnung geschaffen werden, bevor man das neue Verhalten „Ordnung halten“ trainieren und sich zur Gewohnheit machen kann.
Genau das ist für die meisten der schwierigste Schritt und je nach Größe des Chaos eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Was also soll man tun?

Es gibt diverse Systeme, die den Menschen dabei helfen sollen, in ihrem Leben Ordnung zu schaffen. Am bekanntesten ist wohl mittlerweile die „Konmari“-Methode von Marie Kondo, bei der man radikal alles ausmistet, was einem keine Freude bereitet.
Auch „Flylady“ von der Amerikanerin Marla Cilley bei der man seinen Lebensbereich in „Zonen“ einteilt und sich nach und nach jeder Zone widmet, ist durchaus eine Möglichkeit, zu mehr Ordnung zu gelangen.
Es gibt außerdem hunderte Ratgeber zum Thema Haushalt und Ordnung halten, Putzpläne, Psycho-Tipps usw.
Da jeder Mensch anders denkt und fühlt, finde ich es schwierig, eine einzige Methode vorzuschlagen oder einen genauen Plan für alle anzubieten. Außerdem besteht das Leben eines Menschen ja auch noch aus anderen Personen. Es gilt auch, die Belange der Kollegen, Vorgesetzten, der Familie, des Partners oder der Kinder zu berücksichtigen.
Die oben bereits genannten Systeme beziehen sich außerdem hauptsächlich auf das Thema Haushalt. Doch das Leben besteht aus viel mehr und es gibt viel mehr Dinge, die in Unordnung geraten können, als nur der Haushalt. Was bringt es, eine perfekt aufgeräumte Wohnung zu haben, wenn man nicht weiß, wie man die nächste Tankfüllung bezahlen soll oder wie man es bei der ganzen Hausarbeit, dem Job und den Kindern noch zum Sport schaffen soll, den man eigentlich dringend bräuchte, weil man von Rückenschmerzen geplagt wird?
Hier braucht es einen ganzheitlichen Ansatz des Ordnung Schaffens und Ordnung Haltens.

Ich werde mich in einem der nächsten geplanten Themenblöcke noch eingehend damit beschäftigen, wie man Struktur und Ordnung in alle Bereiche seines Lebens bringen kann. Bis dahin schaut euch doch mal ein bisschen genauer eurer Leben und eurem Umfeld an und überlegt, wo ihr etwas mehr Ordnung brauchen könntet. Und falls ihr in einzelnen Bereichen, wie zum Beispiel dem Haushalt, bereits ganz gute Strategien dafür habt, dann überlegt, wie ihr sie evt. auf andere Bereiche übertragen könntet. Ein Hexenwerk ist das nämlich nicht. Es ist oft leichter, als man zu Anfang glaubt.


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