Dinge, die organisierte Menschen anders machen – Teil 4 – Kleinigkeiten sofort erledigen

Wenn ich schreibe, trinke ich dabei gerne eine Tasse Tee oder Kaffee. So war es auch neulich, als ich mit der benutzten Kaffeetasse in die Küche ging und diese, in Gedanken ganz woanders, auf der Arbeitsplatte neben der Spüle abstellte. Ich drehte mich um und wollte wieder hinauf ins Arbeitszimmer gehen, als ich plötzlich innehielt. Moment mal! Wieso habe ich die Tasse eigentlich nicht in die Spülmaschine gestellt, sondern neben das Spülbecken?
Einen winzigen Augenblick lang, wollte mein Gehirn mir wohl weismachen, dass es bequemer sei, die Tasse einfach abzustellen, anstatt den Geschirrspüler zu öffnen und sie einzuräumen.
Kennt ihr das auch? Ich fürchte, dass in vielen Fällen, das träge Gehirn mit seinem Vorschlag durchkommt. Doch dann passiert Folgendes. Du stellst deine Tasse, deinen Teller, dein Glas neben das Spülbecken, dein Partner und die Kinder stellen ihr Zeug daneben und am Abend seht ihr euch einem Haufen dreckigen Geschirrs gegenüber, das niemand in die Geschirrspülmaschine räumen will. Einer macht es am Ende dann doch aber Spaß hat er dabei wohl kaum, sondern ist vielleicht sogar ärgerlich. Warum muss ich das eigentlich schon wieder machen? Warum stellt nicht jeder seinen Kram selbst in den Spüler?
Das sind verdammt gute Fragen. Organisierte Menschen haben sich diese Fragen auch schon gestellt und sie haben eine praktische Lösung gefunden. Sie heißt:

Kleinigkeiten sofort erledigen

Das Problem ist, dass es unserem Gehirn erst einmal logisch erscheint, die Variante zu wählen, die schneller und bequemer ist = Tasse einfach abstellen.
Doch denkt man ein paar Schritte weiter, ist es absolut unlogisch, denn die Tasse muss ja sowieso irgendwann in den Geschirrspüler. Worin liegt dann also die Zeit- und Energieeinsparung, wenn ich die Tasse zuerst nur abstelle und später den Geschirrspüler öffne und sie hineinstelle?

Hinzu kommt, dass eine herumstehende, benutzte Tasse quasi ein Signal, eine Einladung an alle anderen Mitbewohner ist, ihre Sachen einfach dazu zu stellen. Somit führt das Ganze schnell zu einem unschönen Anblick in der Küche.
Leider ist das nicht das Ende. Der unschöne Anblick führt irgendwann zu der Erkenntnis, dass jemand ihn beseitigen muss. Je größer der Haufen an dreckigem Geschirr wird, desto unangenehmer wird diese Erkenntnis und desto weniger motiviert ist man, das Geschirr wegzuräumen. Also lässt man es noch stehen… und stellt noch mehr dazu, was wiederum zu noch mehr Frust führt.
Vielleicht endet das sogar in einem Streit um das Einräumen des Geschirrspülers. Vielleicht wird auch ein Plan erstellt, wer jeden Abend den Geschirrspüler einräumen muss, damit es keinen Streit mehr gibt.
Diesen ganzen Zeit- und Energieaufwand könnte man sich wirklich sparen, wenn man seine Tasse gleich wegräumen würde, oder?

Die Tassen-Geschichte ist natürlich nur ein sehr einfaches Beispiel für das, worauf ich hinaus will. Aber ich denke, jeder kennt das und jeder kann ganz genau nachfühlen, was ich damit meine.
Werden solche Kleinigkeiten wie:

  • das Wegräumen von Abfall, Geschirr, herumliegendem Kleinkram oder schmutziger Wäsche
  • das Abheften von Rechnungen, Verträgen, Papieren etc.
  • der Anruf um einen Zahnarzttermin zu vereinbaren oder ein Zeitungsabonnement zu kündigen
  • das Wegwischen matschiger Schuh- oder Pfotenabdrücke vom Boden
  • das Beantworten einer simplen Frage bei E-Mail
  • das Rausbringen des vollen Mülleimers
  • die Bestätigung der Terminanfrage eines Kollegen
  • das Aufhängen der Jacke und Tasche an der Garderobe
  • das ordentliche Abstellen der Straßenschuhe, wenn man heimkommt
  • und noch so vieles mehr….

nicht direkt erledigt, dann wird aus ihnen ein Berg unerledigter Aufgaben und dieser kann uns buchstäblich ganz schnell über den Kopf wachsen.

Die simple Lösung heißt, die Dinge sofort erledigen, denn das dauert maximal zwischen zwei Sekunden und fünf Minuten.
Es gibt überhaupt keinen logischen Grund dafür, das alles nicht sofort zu tun.
Leider handeln wir nicht immer logisch, sondern eher impulsiv und emotional. Das bedeutet wir wissen zwar, dass es nur ein paar Minuten dauern würde, gewisse Dinge zu erledigen, doch wir fühlen uns vielleicht gerade erschöpft, träge, gestresst oder sind wütend, traurig oder wegen irgendetwas total aufgeregt.
Doch dafür gibt es einen Trick und der heißt: Nicht nachdenken! Wenn wir erstmal damit anfangen, darüber nachzudenken, ob wir etwas tun sollten oder nicht, dann ist es schon zu spät. Ihr müsste also in einen Zustand gelangen, in dem ihr nicht mehr über eine Sache nachdenken müsst, weil es völlig selbstverständlich und euch längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Und wie macht man das? Ihr wisst es schon längst. 😉
Ihr macht daraus eine Gewohnheit bzw. eine Routine!

Ja genau, das sofortige Erledigen von Kleinigkeiten ist eine Angewohnheit und zwar eine sehr gute. Deshalb sollte jeder, der sich einen entspannten und stressfreien Alltag wünscht, diese Angewohnheit zu seiner eigenen machen!

Und schon gehts los! Überlegt, welcher Kleinkram bei euch immer liegen bleibt und sich nach und nach zu einem Berg auftürmt. Was müsstet ihr tun, um zu verhindern, dass der Berg ensteht? Welches Verhalten ist dafür notwendig?
Wahrscheinlich handelt es sich um mehrere Dinge, die sich zu Bergen entwickeln und es sind somit auch mehrere Verhaltensänderungen notwendig. Um euch nicht gleich zu überfordern, fangt wieder mit dem einfachsten an.
Ihr könntet zum Beispiel, immer wenn ihr heimkommt, Eure Kleidung und die Tasche ordentlich aufhängen oder wegräumen. Sobald das gut klappt, nehmt ihr einen weiten Punkt dazu, wie z.B. eine Runde durch die Wohnung drehen und alle Dinge, die herumliegen an ihren Platz räumen. Wenn ihr diese Angewohnheiten trainiert und erweitert, werdet ihr zu einer entsprechenden Routine gelangen. Es wird für euch bald ganz selbstverständlich und natürlich sein, Kleinigkeiten sofort zu erledigen.

Fangt doch gleich mal an. Ob im Job oder zu Hause – trainieren kann man überall.


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